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Zwischen Feldarbeit und Windelwechsel: das Leben mit Kraft und Humor gemeistert

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In dieser Geschichte geht es um die Ehefrau des Kunden von der Betreuungskraft Natalie Depkat. Die Lebensgeschichte von Helmi Weigand, geboren 1931, steht stellvertretend für die Generation, die durch den Krieg bedingt mit vielen Entbehrungen aufgewachsen ist und trotz aller Arbeit und Mühen heute auf ein langes, erfülltes Leben zurückblickt. Frauen wie Helmi Weigand haben ihre eigenen Wünsche und Ansprüche oftmals zugunsten der Familie ein Leben lang zurückgesteckt. Sich dann im hohen Alter einer fremden Betreuungskraft zu öffnen und Vertrauen aufzubauen, ist für Senioren nicht selbstverständlich. Umso schöner, dass dies Natalie Depkat gelungen ist. Als Betreuungskraft nimmt sie sich die Zeit zum Zuhören – und kann Frau Weigand so Respekt und Wertschätzung für das gelebte Leben (zurück-)geben.
Wir sollten immer daran denken: Jede Lebensgeschichte ist es wert, erzählt zu werden. Aber nur, wenn es Menschen wie Natalie Depkat gibt, die zuhören, spürt der Senior oder die Seniorin, wie wertvoll er oder sie auch im hohen Alter noch ist.

Unmittelbar nach Kriegsende 1945 beendete Helmi Weigand, damals noch Fräulein Euler, die Schule und wollte gern weiter auf die Landwirtschaftliche Schule gehen. Doch ihre Eltern verboten dies, da sie als Arbeitskraft auf dem Hof gebraucht wurde. Zuerst führte sie die Feldarbeit noch mit Kühen und Pferden durch. Später durfte sie den Führerschein machen, da sie auch Traktor fahren musste. In den folgenden Jahren war Helmi Weigand von morgens früh bis abends spät komplett allein bei jedem Wetter auf dem Acker.

Im Jahr 1959 heiratete Helmi den jungen Karl Weigand. Nun kam zur Feldarbeit noch die Hausarbeit hinzu. Das Ehepaar bekam zunächst einen Sohn, einige Jahre später eine Tochter. Da die junge Mutter weiter ihre Arbeit auf dem Feld zu verrichten hatte, passte ihre Tante aus Frankfurt am Main auf den Nachwuchs auf.

Das Leben hielt also einige Herausforderungen für Frau Helmi Weigand bereit. Da kann es kaum verwundern, was eines Tages passierte: Sie war mit ihrem Bruder per Traktor unterwegs, um frischen Klee für die Kühe zu holen, als beide während der Fahrt einschliefen. Es kam wie es kommen musste: Das Gefährt geriet außer Kontrolle und kippte um. Doch anstatt zu jammern und nach Hilfe zu rufen, richteten die glücklicherweise unverletzt gebliebenen Bruchpiloten den Traktor eigenhändig wieder auf – und setzten die Fahrt fort, als ob nichts geschehen wäre.

Dieser Vorfall, der so manchen im wahrsten Wortsinn viel stärker „aus der Bahn geworfen“ hätte, ist symptomatisch für die Kraft und den Willen, mit dem Frau Weigand die Hürden des Lebens gemeistert hat. Kaum jemand kann sich heute noch vorstellen, wie bescheiden das Leben seinerzeit für die meisten war. Urlaub im Ausland? Genau acht Mal in ihrem Leben – in Österreich oder Frankreich.

Auch in den folgenden Jahrzehnten war Frau Weigand ausgesprochen aktiv. So verrichtete sie für andere Menschen Haushaltsarbeiten und betreute eine ältere Frau im Ort. Das alles hatte aber abseits aller Mühe auch sein Gutes: Bis heute ist das Ehepaar physisch weitgehend fit – und Frau Weigand hat ihre positive Einstellung und Energie nie verloren.

Geschichten wie die von Helmi Weigand zeigen, was die Menschen, die heute der häuslichen Betreuung bedürfen, alles geleistet haben, ohne zu klagen. Und sie zeigen, wie die Erfahrungen eines langen Lebens prägen und die Persönlichkeit formen. Als Betreuungskraft solche Menschen kennenlernen zu dürfen und an ihren Erinnerungen teilzuhaben – das ist es, was das Betreuungsverhältnis so persönlich macht.